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Georg Därendinger

Leiter Kommunikation

16.11.2023

Beitrag von: Georg Därendinger

3 Fragen an Linn Mandahl, General Manager bei AbbVie Schweiz

Du bist seit 100 Tagen im Amt als General Manager bei AbbVie Schweiz. Welches sind die dringendsten Herausforderungen und Probleme für den Standort Schweiz und das Gesundheitswesen?

Das Schweizer Gesundheitswesen ist eines der besten auf der Welt. Optimierungspotential sehe ich dennoch und zwar beim Zugang von Schweizer Patienten zu innovativen Medikamenten. Einerseits betrifft das das Zulassungsverfahren bei Swissmedic. Hierbei ist sicherzustellen, dass die Schweiz weiterhin als «First Wave Country» handelt und wahrgenommen wird. Das bedeutet, dass Gesuche rasch geprüft werden und damit Innovationen den Schweizer Patienten so schnell wie möglich zur Verfügung stehen. Das Zulassungsverfahren ist jedoch nur die eine Seite. Auch die Zeit bis zur Kassenzulässigkeit muss dringend beschleunigt werden. Im Median müssen Schweizer Patienten 306 Tage warten, bis ein neues Medikament von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen wird. Das ist ein neuer negativer Rekord. Ein schnellerer Zugang würde so aussehen: Im besten Fall wird mit der Genehmigung von Swissmedic das Medikament auf die Spezialitätenliste geführt und damit Zugang ab Tag 0 gewährleistet. Dieses Modell würde den Patientenzugang enorm beschleunigen.

Du warst General Manager Skandinavien bei AbbVie. Was kann die Schweiz von nordischen Gesundheitssystemen lernen?

Die nordischen Gesundheitssysteme gelten als sehr gut, wobei auch hier nicht alles perfekt ist. Beispielsweise muss man auch in Schweden mit tendenziell langen Wartezeiten für einen Behandlungstermin rechnen.

Was allerdings ein grosses Thema ist – woran sich die Schweiz an den nordischen Gesundheitssystemen etwas abschauen könnte – ist die Digitalisierung. Das elektronische Patientendossier (EPD) ist in der Schweiz noch nicht etabliert, was sehr zu bedauern ist. In Schweden hingegen ist dies ein sehr beliebtes und rege genutztes Instrument, auch bei den Patienten selbst. Die Patienten nutzen digitale Hilfsmittel auch, um ihre eigenen Symptome besser zu verfolgen und ihrem Arzt ihre Krankengeschichte aufzuzeigen. Erbringer von Gesundheitsdienstleistungen versuchen, Patienten so weit wie möglich ausserhalb von Krankenhäusern zu behandeln, um Geld einzusparen und es für die Patienten angenehmer zu gestalten. Dabei können digitale Hilfsmittel für die Telemedizin eingesetzt werden.

In Sachen Digitalisierung muss die Schweiz also tatsächlich vorwärts machen, damit das Gesundheitswesen auch effizienter wird.

Was muss unternommen werden, damit die Schweiz auch in Zukunft als Pharmastandort attraktiv bleibt?

Als global tätiges, forschungsbasiertes biopharmazeutisches Unternehmen wurde AbbVie zwar erst vor 10 Jahre durch eine Abspaltung von Abbott gegründet, jedoch blicken wir auf insgesamt 135 Jahre Innovation zurück. Die Schweiz hat einen Ruf als Innovationsland und deshalb ist es wichtig, dass die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung sowie auch exzellente Ausbildungsstrukturen weiterhin gewährleistet sind.

Mit unserem Ziel, das Leben von Patienten entscheidend zu verbessern, führen wir auch in der Schweiz klinische Studien durch, welche wichtig sind, um lebensbedrohliche und chronische Erkrankungen mit Medikamenten behandeln zu können. Um die Attraktivität als Forschungsstandort zu erhalten, muss die Schweiz beim europäischen Forschungsrahmenabkommen «Horizon» wieder vollkommen eingeschlossen werden.

Zudem gilt es, dass die Schweiz ihre Beziehungen mit der Europäischen Union klärt und in diesem Dossier vorwärts macht, sodass wir nicht die Anbindung an die EU verlieren. Für die Pharmaindustrie stellt die EU der wichtigste Handelspartner dar. Die Bilateralen Verträge müssen daher baldmöglichst für Klarheit sorgen und die Rahmenbedingungen stärken.

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