Jahresbericht
Switzerlands’s Choice: der Pharmastandort Schweiz am Scheideweg
Die Schweiz zählt seit Jahrzehnten zu den weltweit führenden Standorten für pharmazeutische Forschung, Innovation und Produktion. Arzneimittel, die hier entwickelt werden, retten Leben – in der Schweiz und weit darüber hinaus. Die forschende Pharmaindustrie ist damit nicht nur ein zentraler Pfeiler unseres Gesundheitssystems, sondern auch ein entscheidender Faktor für Wohlstand, hochwertige Arbeitsplätze und die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Kaum eine andere Branche hat die Schweiz wirtschaftlich und gesellschaftlich so nachhaltig geprägt.
Interpharma-Präsident Jörg-Michael Rupp (links) und Geschäftsführer Dr. René P. Buholzer im Editorial des Jahresberichts über die Bedeutung von Forschung, Innovation und verlässlichen Rahmenbedingungen für den Pharmastandort Schweiz.
Editorial
Die volkswirtschaftliche Bedeutung ist eindrücklich: Jeder Franken Umsatz der Pharmaindustrie generiert rund 3.20 Franken Wertschöpfung für die Schweiz – über Steuern und Investitionen. Insgesamt trägt die Branche jährlich bis zu 10 Milliarden Franken zu den öffentlichen Einnahmen bei und sichert rund 50 000 direkte sowie etwa 250 000 indirekte Arbeitsplätze. Gleichzeitig zeigt sich der medizinische Nutzen: Innovative Arzneimittel haben seit 1990 die Sterblichkeit um fast ein Drittel gesenkt, jährlich rund zwei Millionen Spitaltage eingespart und damit auch zur Dämpfung der Gesundheitsausgaben beigetragen.
Doch diese Erfolgsgeschichte ist kein Selbstläufer. Die internationalen Rahmenbedingungen verändern sich rasant. Geopolitische Spannungen und neue regulatorische Anforderungen verschärfen den globalen Standortwettbewerb. In grossen Märkten wie den USA und China sind heute massive Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion vor Ort Voraussetzung für Marktzugang. Für kleine, offene Volkswirtschaften wie die Schweiz steigt damit der Wettbewerbsdruck spürbar. Zusätzlich verschärfen gesundheitspolitische Entwicklungen die Situation. Besonders das Most-Favoured-Nation-Regime in den USA hat weitreichende Folgen: Wenn US-Preise zunehmend an jene in der Schweiz und anderen europäischen Ländern gekoppelt werden, wirken sich kaufkraftbereinigt tiefe Schweizer Preise direkt auf den weltweit wichtigsten Pharmamarkt aus. Die Konsequenzen sind absehbar – und problematisch: Neue Arzneimittel könnten in der Schweiz verzögert, nur noch zu deutlich höheren Preisen oder im schlimmsten Fall gar nicht mehr eingeführt werden. Forschung, klinische Studien und qualifizierte Arbeitsplätze drohen ins Ausland abzuwandern.
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